David Briggeler

Start · KI-Sichtbarkeit

KI-Sichtbarkeit: was wirklich zählt

Seit Kunden ihre Fragen an einen Assistenten statt an eine Suchmaschine stellen, wird «KI-Sichtbarkeit» verkauft. Ein Teil davon lässt sich nachprüfen. Ein anderer Teil ist eine Behauptung, die niemand einlösen kann. Hier steht, welcher Teil welcher ist.

Die Frage zerfällt in drei Teile

Damit ein Antwortsystem Ihre Firma nennen kann, muss dreierlei zutreffen. Fällt eines davon aus, hilft der Rest nicht.

01 · Darf es herein?

Worum es geht
Ihre robots.txt entscheidet, welche Kennungen Ihre Seiten abrufen dürfen. Relevant sind heute neun: GPTBot, OAI-SearchBot und ChatGPT-User von OpenAI, ClaudeBot und Claude-User von Anthropic, dazu PerplexityBot, Google-Extended, Applebot-Extended und CCBot.
Der häufige Fehler
Pauschal alles sperren. Diese Kennungen haben verschiedene Aufgaben: Manche sammeln Trainingsdaten, andere holen eine Seite erst im Moment der Frage. Wer beide Gruppen zusammen aussperrt, verhindert Training und wird gleichzeitig unzitierbar.

02 · Findet es die Fakten?

Worum es geht
Firmenname, Adresse, Telefonnummer und Profile gehören als strukturierte Daten in die Seite, nicht nur in den Fliesstext. Ein Antwortsystem übernimmt lieber ein Feld, das eindeutig beschriftet ist, als eine Zeile, die es deuten muss.
Der häufige Fehler
Ein Block, der von einem Baukasten stammt und Felder enthält, die nie gefüllt wurden, oder ungültiges JSON. Beides ist schlechter als gar nichts, weil es Arbeit vortäuscht.

03 · Steht der Text im Quelltext?

Worum es geht
Viele Seiten entstehen erst im Browser durch JavaScript. Wer den Quelltext abruft, bekommt ein leeres Gerüst. Ein Teil der KI-Abrufer führt kein JavaScript aus und sieht entsprechend nichts.
Der häufige Fehler
Die Seite sieht im Browser vollständig aus, deshalb prüft es niemand nach. Der Unterschied fällt erst auf, wenn die Wortzahl im rohen Quelltext gezählt wird.

Was verkauft wird und nicht wirkt

Anbieter in dieser Nische werben mit einem «Tagging für Sprachmodelle»: eine Datei oder Auszeichnung, die die eigene Firma bei den Modellen anmeldet. Eine solche Anmeldung gibt es nicht.

Ich habe bei einem Anbieter, der genau das verkauft, die eigene Website nachgesehen. Die drei Dateien, die in diesem Zusammenhang immer genannt werden — llms.txt, ai.txt und /.well-known/ai-plugin.jsonantworteten alle mit 404. Technisch fand ich auf dieser Seite genau drei Dinge: eine Freigabe für lange Textausschnitte, einen Fragen-und-Antworten-Block als strukturierte Daten und einen Firmen-Block. Alle drei sind sinnvoll. Alle drei sind Standardarbeit und in einer Stunde erledigt.

Der zweite Punkt ist die verkaufte Kennzahl. «Ihre Firma wird in X Prozent der Antworten genannt» stammt aus einer selbst gewählten Fragenliste und ändert sich mit jeder Umformulierung und jedem Modell-Update. Eine solche Zahl ist keine Messung, sondern eine Momentaufnahme unter selbst gesetzten Bedingungen.

Die Prüfung, die ich dagegen gestellt habe

Unter briggeler.ch/pruefen steht ein Werkzeug, das eine Adresse entgegennimmt und sieben nachprüfbare Punkte auswertet: die robots-Regeln gegen die neun Kennungen, die strukturierten Daten samt Feldern, die Wortzahl im rohen Quelltext, die Zitierbarkeit (Titel, Beschreibung, genau eine Hauptüberschrift, kanonische Adresse, Sprache), die Snippet-Erlaubnis, das Vorhandensein einer llms.txt und die Sitemap samt Antwortzeit.

Ohne Anmeldung, ohne E-Mail-Adresse, ohne Preis. Es wird nichts gespeichert, und Sie bekommen keine Nachricht von mir, solange Sie nicht selbst schreiben.

Unter jedem Bericht steht, was die Prüfung nicht sagt — insbesondere, dass hier nicht gemessen wird, ob ein Modell Ihre Firma heute nennt. Genau die Behauptung, die Anbieter dieser Nische verkaufen.

Dass das Werkzeug nicht schmeichelt, sieht man an meinen eigenen Seiten: Eine meiner Schwester-Websites kam auf 4 von 7 guten Befunden, weil dort nur eine Person und keine Firma hinterlegt war und die Freigabe für Textausschnitte fehlte. Beides steht auf meiner eigenen Liste.

In welcher Reihenfolge

  1. robots.txt lesen, bevor irgendetwas anderes passiertEine Sperre macht alle weiteren Massnahmen wirkungslos. Achten Sie darauf, wie die Regeln zusammenwirken: Abrufer folgen der längsten passenden Regel, nicht der ersten.
  2. Die Firmenfakten an einer Stelle richtig hinterlegenName, Adresse, Telefon, Profile. Einmal sauber, statt an fünf Stellen verschieden.
  3. Prüfen, ob der Text ohne JavaScript dastehtWenn nicht, ist das kein Sichtbarkeitsproblem, sondern ein Bauproblem — und deutlich grösser als die anderen Punkte.
  4. Textausschnitte freigebenOhne diese Freigabe darf Ihr Inhalt nur gekürzt wiedergegeben werden. Eine Zeile in den Metadaten.

Was auf dieser Seite nicht steht

Keine Zusage, dass ein Modell Ihre Firma danach nennt. Diese Voraussetzungen sind notwendig und nicht hinreichend. Wer ausgesperrt ist, kann nicht genannt werden; wer hereingelassen wird, hat damit noch keine Garantie.

Kein Anbietername. Der oben beschriebene Befund stammt von einer real geprüften Website eines Anbieters dieser Nische. Ich nenne die Firma nicht, weil es um das Muster geht und nicht um einen einzelnen Betrieb.

Keine Prozentzahlen zur Verbreitung von KI-Suche. Solche Zahlen kursieren reichlich; ich habe keine davon selbst erhoben.

Sieben Punkte, in Sekunden geprüft

Geben Sie Ihre Adresse ein und sehen Sie, was ein Antwortsystem auf Ihrer Website lesen kann. Ohne Anmeldung, ohne E-Mail, ohne Preis.