Prozessautomatisierung: sechs Abläufe, die heute ohne mich laufen
Die meisten Texte zu diesem Thema erklären den Begriff. Dieser zeigt sechs
Abläufe aus meinem eigenen Bestand mit Datum, Laufzeit und den Stellen, an denen es schiefging.
Dazu einen siebten, von dem ich abrate.
06:30 Versand, täglich06:40 Beitrag, werktagsalle 30 Min Überwachungjeder Lauf protokolliert
47 sDauer des Laufs vom 22.07.2026, von 06:40:01 bis 06:40:48
3 Tagevom ersten Lauf bis zum Betrieb ohne Eingriff
2Eingriffe in dieser Anlaufzeit, beide protokolliert
1 von 7Abläufen bleibt bewusst Handarbeit
Was Prozessautomatisierung hier heisst
Ein Ablauf, den heute jemand jedes Mal von Hand ausführt, wird als Programm festgeschrieben
und von einem Zeitplan oder einem Ereignis gestartet. Der Mensch bleibt für die Entscheidungen
zuständig und ist die Wiederholung los.
Der Unterschied zwischen einer Automatisierung, die trägt, und einer, die Ärger
macht, liegt nicht in der Software. Er liegt darin, ob der Ablauf ein Protokoll
hinterlässt, an dem sich nachlesen lässt, ob er wirklich gelaufen ist. Ein Skript, das
Erfolg meldet, während der Server die Sache abgelehnt hat, ist schlimmer als gar keine
Automatisierung. Dieser Fall ist mir am 21. Juli 2026 passiert und steht unten.
Sechs Beispiele aus dem eigenen Bestand
Alle sechs laufen für Organisationen, in denen ich selbst arbeite: eine Gemeinde, ein
Eventhaus, mein eigenes Geschäft. Kundenfälle mit Freigabe kommen dazu, sobald die ersten
Aufträge abgeschlossen sind. Bis dahin steht hier nur, was ich belegen kann.
01 · Die Nachricht, die jeden Morgen rausgehen muss
Ausgangslage
Ein Verein will seine Leute jeden Morgen mit demselben Beitrag erreichen. Jemand muss
den Inhalt zusammenstellen und vor sieben Uhr abschicken, auch am Wochenende und in den Ferien.
Lösung
Die Website rechnet den Tagesinhalt aus dem Datum aus. Um 06:30 startet ein Zeitplan
auf einem Linux-Server ein Skript, das die Tagesportion holt und in den Kanal stellt.
Ergebnis
Umgestellt am 19. Juli 2026. In den ersten zwei Tagen musste ich zweimal
eingreifen: am 20. Juli fehlte dem Zeitplan eine Konfiguration, am 21. Juli meldete das
Skript Erfolg, während der Server den Beitrag abgelehnt hatte. Seit dem 22. Juli läuft
der Versand ohne mich. Seither prüft das Skript nach dem Senden im Protokoll nach, ob
die Nachricht angenommen wurde.
02 · Der Beitrag, den in einer vollen Woche niemand schreibt
Ausgangslage
Eine Organisation nimmt sich vor, werktags etwas auf der Website zu veröffentlichen.
Nach zwei vollen Wochen steht oben immer noch der Beitrag vom Monatsanfang.
Lösung
Ein Skript sammelt morgens Meldungen aus acht festen Quellen. Ein Sprachmodell schreibt
daraus den Entwurf nach meinen Redaktionsregeln. Ein zweites Skript baut Übersicht,
Register, Feed und Sitemap. Ich lese nach und korrigiere sichtbar im Text.
Ergebnis
Der Lauf vom 22. Juli 2026 begann um 06:40:01 und war um 06:40:48 fertig.
Das Skript fand 18 Meldungen aus 8 Quellen und nahm 6 davon in den Beitrag.
Im selben Protokoll steht weiter oben ein Abbruch aus einem früheren
Lauf, bei dem ein Feld leer war. Der Beitrag vom 22. Juli war davon nicht betroffen.
03 · Der Quartalsbericht aus der Buchhaltung
Ausgangslage
Ein Gremium erwartet jedes Quartal Zahlen. Sie liegen in der Buchhaltung, und der
Bericht entsteht bisher, indem jemand Auszüge in ein Dokument überträgt.
Lösung
Ich hole die Buchungen über die Schnittstelle der Buchhaltungssoftware, seitenweise
zu 2000 Einträgen, entferne Doppelungen und ordne sie den Konten zu.
Ergebnis
Die Zuordnungsregeln stehen im Projekt und lassen sich nachlesen. Jede Zahl führe
ich auf ein Konto zurück. Geschätzte Kennzahlen wie die Auslastung sind im Bericht als
Schätzung gekennzeichnet.
Ich prüfe jede Kennzahl anschliessend von Hand nach, weil die
Schnittstelle bei einzelnen Konten falsche Werte liefert. Wie lange die frühere Handarbeit
dauerte, wurde nie erfasst.
04 · Der Videoschnitt, der an einer Person hängt
Ausgangslage
Eine Organisation nimmt einen Vortrag auf und will ihn veröffentlichen. Der Schnitt
hängt an einer einzigen Person.
Lösung
Die Aufnahme wird mit Zeitstempeln pro Wort transkribiert. Verdächtige Stellen
schneide ich heraus und lasse sie ein zweites Mal transkribieren, so finde ich Versprecher,
die im ersten Durchgang untergehen. Danach schneidet ein Werkzeug nach der Schnittliste.
Den Schnittplan gebe ich vor jedem Lauf frei.
Ergebnis
Jede Schnittliste enthält die verwendeten Werte: mitten im Satz 100 Millisekunden
nach dem letzten Wort und 80 davor, an Satzgrenzen 200 und 130 bis 150, am Videoende 600
bis 700. Wer die Datei öffnet, sieht für jeden Schnitt, wo er gesetzt wurde.
Wie lange eine Folge vorher dauerte, weiss ich nicht. Beim nächsten
Video stoppe ich die Zeit.
05 · Der Ausfall, den zuerst jemand von aussen bemerkt
Ausgangslage
Wenn in einem kleinen Betrieb das Netzwerk klemmt, meldet es meistens jemand von
aussen, und niemand weiss, seit wann der Zustand besteht.
Lösung
Eine Überwachung fragt das Netzwerk alle 30 Minuten ab, zählt die verbundenen Geräte
und misst Auslastung und Signalstärke. Über der eingestellten Schwelle kommt eine Mail.
Ergebnis
Am 5. Juli 2026 lief die Überwachung während eines Anlasses mit 32 verbundenen
Geräten. In diesem Fenster kamen fünf Mails, alle gutartig.
Am 3. Juli hatte mein eigener Laptop einen Alarm ausgelöst. Ich habe
die Schwellen danach zweimal nachgezogen. Bis heute hat die Überwachung vor allem
Fehlalarme gemeldet, und genau daran habe ich sie kalibriert.
06 · Die Website-Prüfung, die jeder selber machen kann
Ausgangslage
Anbieter verkaufen Prüfberichte zur Sichtbarkeit in KI-Antworten. Was sie messen,
ist von aussen nicht nachvollziehbar.
Lösung
Ein Endpunkt auf dieser Website holt eine fremde Adresse ab und wertet sieben
nachprüfbare Punkte aus, darunter die robots-Regeln gegen neun KI-Kennungen.
Ergebnis
Das Werkzeug steht unter briggeler.ch/pruefen und ist ohne
Anmeldung nutzbar. Unter jedem Bericht steht, was die Prüfung nicht sagt.
Wie ich vorgehe
Am Arbeitsplatz zuschauenIch sehe mir den Ablauf dort an, wo er heute
stattfindet, bevor ich etwas baue. Aus der Beschreibung eines Ablaufs und seiner tatsächlichen
Ausführung werden regelmässig zwei verschiedene Abläufe.
Den Prüfpunkt festlegen, bevor gebaut wirdVor dem ersten Skript steht die
Frage, woran sich später ablesen lässt, ob der Lauf geklappt hat. Wo diese Frage keine Antwort
hat, baue ich nicht.
Klein aufschalten und die Anlaufzeit einplanenDer Versand aus Fall 01
brauchte drei Tage und zwei Eingriffe, bis er trug. Diese Zeit gehört in die Planung.
Übergeben, was übergeben werden kannZu jedem Ablauf gehören die Regeln in
lesbarer Form. Wer ihn übernimmt, soll ihn ohne mich verstehen.
Der siebte Ablauf, den ich nicht automatisiere
Jeden Monat gleiche ich als Scrum Master einen Forecast mit den Ist-Zahlen ab. Der Ablauf ist
als Anleitung festgeschrieben, mit Quellen, Reihenfolge und Regeln. Automatisiert habe
ich ihn nicht, und ich rate an dieser Stelle davon ab.
Die Zahlen stehen in einer Datei, an der mehrere Personen gleichzeitig arbeiten, und in einem
Berichtswerkzeug, in das ich nicht schreiben kann. Ein Skript, das dort hineinschreibt, könnte
fremde Eingaben überschreiben. Dieses Risiko wiegt schwerer als die Zeit, die ich spare.
Ich führe den Fall auf, weil die Frage, was besser Handarbeit bleibt, zur Arbeit gehört.
Wer auf jede Anfrage mit einer Automatisierung antwortet, verkauft Software und löst kein Problem.
Was auf dieser Seite nicht steht
Keine Zeitersparnis in Stunden. Bei vier der sechs Abläufe wurde vor dem Umbau nichts
gemessen, und eine Zahl, die ich nicht erhoben habe, schreibe ich nicht hin.
Keine Kundenreferenzen. Die sechs Fälle stammen aus Organisationen, in denen ich selbst
tätig bin. Das ist ein Unterschied zu einem Kundenauftrag, und er gehört genannt.
Keine Preisangabe. Was ein Ablauf kostet, hängt daran, wie die Daten heute vorliegen. Das
lässt sich in einem Gespräch klären und nicht auf einer Seite.
Ein Ablauf, der Sie jede Woche kostet
Schreiben Sie mir, welcher Ablauf bei Ihnen jede Woche dieselbe Zeit frisst. Ich sage
Ihnen, ob sich das automatisieren lässt, und auch, wenn ich davon abrate.